Der Harder-Scheinwerfer

Fahrplanprospekt 1925 mit Scheinwerfer als Blickfang

Der Scheinwerfer ist im Turm des Restaurants untergebracht.

Der helle Lichtstrahl ist vom Bödeli gut sichtbar

Ein kleiner Hauch von grosser Welt

Weithin sichtbar schickt er seinen gebündelten Strahl in die Tiefen des Bödeli. Nichts ist sicher vor seinem grellen Licht, nichts bleibt ungesehen. Wer weiss, wie viele glückliche Stunden in den lauen Sommernächten jäh unterbrochen worden sind. Durch die Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft A.E.G. in Berlin — als Navigationsscheinwerfer für ein Kriegsschiff gebaut - fand er den Weg als «günstige Gelegenheit» auf den Harder Kulm. Die Maschinenfabrik Oerlikon lieferte die nötige Umformergruppe, um den Scheinwerfer mit Gleichstrom zu versorgen. Ein Schaltschema, datiert vom 20.1X. 10 lässt vermuten, dass schon wenige Jahre nach Eröffnung der Harderbahn der Scheinwerfer als leuchtende Reklame zum Einsatz kam. Aus betrieblichen Gründen musste immer ein Maschinist der Bahn in der Bergstation übernachten. Dank dem Scheinwerfer hatte dieser das ausserordentliche Vergnügen, als Einziger in der Gegend «fernzusehen».

Mit neuer Spannung kam das Aus

1971 erhielt der Harder eine neue Stromversorgung und die Spannung konnte von 220 Volt auf deren 380 erhöht werden. Den alten Scheinwerfer liess man links liegen. Doch fünf Jahre später wurde das verstaubte Objekt per Zufall auf dem Estrich wiederentdeckt und seine Geschichte neu aufgerollt. Doch die Beschaffung der Scheinwerferkohlen gestaltete sich schwierig, und die Begeisterung für das Nostalgieprojekt hielt sich in Grenzen.

Der Scheinwerfer ist im Turm des Reastaurants untergebracht.

Hochleistung war gefragt

Den Platz des «veralteten» Scheinwerfers nahm ein Quecksilberdampf-Hochleistungsgerät ein. Besser geeignet als Sportplatzbeleuchtung denn als Werbeträger hoch über dem Hardermanndli. Kein Wunder, dass der hochmoderne Scheinwerfer selten den Abendhimmel erhellte. Ob aus Respekt vor dem Alter oder aus reiner Bequemlichkeit, der alte Scheinwerfer überlebte in einer Ecke des weiträumigen Estrichs. Und welch Wunder: 1984 tauchte bei einer Firma für Kinoprojektoren ein Posten der raren Rundkohlenstäbe auf. Nun war der altehrwürdige Scheinwerfer gerettet, und schon bald glühten die Kohlen im Scheinwerfer heller denn je. Der Lichtbogen, als eine der hellsten Lichtquellen neben der Sonne, spiegelte sich im auf Hochglanz polierten Hohlspiegel. Gestochen scharf wirft er seinen Lichtstrahl weitere zwanzig Jahre über das Bödeli.

Ein technischer Defekt

an der Zuleitung brachte ihn 2006 erneut zum Erlöschen. Bedeutete dies nun das endgültige Aus? Überhaupt nicht. Mit viel Liebe und Verständnis für die nostalgische Technik gelang es erneut, den in zwischen fast hundert Jahre alten Scheinwerfer wieder zum Leuchten zu bringen. Für den Betrieb haben sich die «Harderfründe» freiwillig zur Verfügung gestellt.

Der helle Lichtstrahl ist vom Bödeli gut sichtbar.